Rund 120 Teilnehmende, ein vielseitiges Programm und Diskussionen, die auch nach Veranstaltungsende weitergingen: Bei der windWERT 2026 in Kiel standen aktuelle Fragen der Windenergie im Mittelpunkt. Von Regionalplanung und Finanzierung über Genehmigungsverfahren und KI bis hin zu technischen Innovationen, regionaler Wertschöpfung und Offshore-Wind reichte das Spektrum.
Am 25. August 2026 brachte EE.SH mit der 16. windWERT Vertreterinnen und Vertreter aus Windbranche, Politik, Finanzwirtschaft und weiteren Bereichen der Energiewende im ATLANTIC Hotel Kiel zusammen. Der Anspruch der Veranstaltung: aktuelle Entwicklungen nicht nur zu benennen, sondern genauer hinzusehen, was sie für Projekte, Unternehmen und den weiteren Ausbau der Windenergie bedeuten.
Den politischen Auftakt übernahm PD Dr. Sönke Schulz, Staatssekretär im Ministerium für Inneres, Kommunales, Wohnen und Sport des Landes Schleswig-Holstein. In seinem Grußwort ging er unter anderem auf die Regionalplanung Windenergie ein. Dabei spielen Ausbauziele ebenso eine Rolle wie Rechtssicherheit, Interessen- und Lastenausgleich sowie der Schutz unterschiedlicher Belange.
Gerade für Schleswig-Holstein ist die Frage der Flächenplanung unmittelbar mit dem weiteren Windenergieausbau verbunden. Auf der windWERT wurde damit früh deutlich: Wie schnell neue Projekte entstehen können, entscheidet sich nicht allein an Technologie oder Investitionsbereitschaft, sondern ebenso an den planerischen Rahmenbedingungen.
Auch die Finanzierung von Windenergieprojekten verändert sich. In der von Dr. Matthias Hüppauff moderierten Finanzierungsrunde diskutierten Heiko Runge (NOSPA), Norman Hertel (VR Bank) und Philipp Präkels (DKB) über die Perspektive der Finanzwirtschaft auf aktuelle Projekte.
Dabei ging es um die Bedingungen, unter denen Windenergieprojekte heute und künftig finanzierbar bleiben. Denn Projektentwicklung, regulatorische Vorgaben, Erlösmodelle und Investitionsentscheidungen greifen immer stärker ineinander.
Einen weiteren Blick auf die Rahmenbedingungen der Branche brachte Prof. Dr. Martin Maslaton ein. Unter dem Titel „Rechtliche Brennpunkte der Windenergie in Schleswig-Holstein – Energie als Verteidigung politischer Belange?!“ ordnete er aktuelle rechtliche und energiepolitische Entwicklungen ein.
Am Nachmittag war Maslaton zudem Teil der Podiumsdiskussion, moderiert von Nicole Weinhold, Chefredakteurin von ERNEUERBARE ENERGIEN. Gemeinsam mit Joschka Knuth, Lisa Hebenstreit, Melanie Jessen, Stephan Frense und Torsten Levsen entstand eine ausgesprochen lebendige Diskussion. Unterschiedliche Perspektiven aus Politik, Netzbetrieb und Windbranche trafen unmittelbar aufeinander und sorgten dafür, dass aus einzelnen Antworten immer wieder neue Fragen und Wortmeldungen entstanden.
Wie konkret Digitalisierung zur Beschleunigung von Projekten beitragen kann, zeigte Jens Kulenkampff von digital@work. Sein Thema: die datensouveräne Anwendung von KI am Beispiel von Due Diligence und Genehmigungsverfahren.
Gerade dort müssen große Mengen an Dokumenten gesichtet, strukturiert und bewertet werden. KI-Agenten eröffnen die Möglichkeit, solche Prozesse effizienter zu organisieren. Damit rückt ein Bereich in den Fokus, der in der Diskussion um KI und Energiewende leicht übersehen wird: Nicht nur Anlagen, Netze und Prognosen können digitaler werden. Auch die Prozesse auf dem Weg zu einem realisierten Projekt bieten erhebliches Potenzial.
Mit der „Nächsten Stufe Windenergie“ richtete Melanie Jessen, Geschäftsführerin der Windtestfeld-Nord GmbH, den Blick auf neue Technologien und deren Erprobung unter realen Bedingungen. Das Windtestfeld geht dabei in eine neue Innovationsrunde und schafft Raum für weitere Ideen, die in der Praxis getestet werden können.
Wie technische Weiterentwicklung konkret aussehen kann, zeigte anschließend Gerd Kroll von BeWind anhand der Integration einer Pitch Bearing Unit (PBU) in eine Senvion 3.6M140 in Südermarsch. Dahinter steht eine für die Branche zentrale Frage: Wie lässt sich die Leistungsfähigkeit von Windenergieanlagen weiterentwickeln, ohne einzelne Komponenten lediglich immer größer zu dimensionieren?
Dass Windenergie nicht allein eine Frage der Erzeugung ist, zeigte René Ohm von Regiogröön. Sein Vortrag führte von der Eigenbelieferung bis zum Bürgerstrom und damit zu Modellen, bei denen Erzeugung und Verbrauch stärker regional zusammengedacht werden.
Für Regionen mit hoher Windstromproduktion eröffnet sich damit eine wichtige Perspektive: Menschen und Unternehmen vor Ort können nicht nur auf Windenergieanlagen in ihrer Umgebung blicken, sondern stärker an der erzeugten Energie und der damit verbundenen Wertschöpfung teilhaben.
Auch Infrastruktur lässt sich neu zusammendenken. Marcus Müller von geodesia zeigte, wie bei EE-Projekten Daten- und Stromnetze parallel verlegt werden können und welche Erfahrungen aus dem professionellen Glasfaserausbau dafür nutzbar sind.
Damit verbindet sich die physische Energieinfrastruktur unmittelbar mit der digitalen Infrastruktur, die für Betrieb, Steuerung und Vernetzung eines zunehmend komplexen Energiesystems benötigt wird.
Einen weiteren Blick auf die Wertschöpfungskette brachte Roger Müller von trend:research ein. Auf Grundlage der Studie „Wertschöpfung der Offshore-Windenergie in Deutschland“, an der er selbst mitgearbeitet hat, betrachtete er die wirtschaftlichen Effekte der Offshore-Windindustrie.
Nach einem Tag mit Vorträgen und Diskussionen verlagerte sich die windWERT am frühen Abend auf Deck 8 des ATLANTIC Hotels. Bei Sonne, Blick über Kiel und frischem Wind wurde aus dem offiziellen Programm ein informeller Austausch der schleswig-holsteinischen Windcommunity.
Gerade diese Verbindung gehört seit Jahren zum Charakter der windWERT: aktuelle Fachthemen auf die Bühne zu bringen und gleichzeitig den Raum zu schaffen, sie anschließend miteinander weiterzudenken.
Das Feedback aus den Gesprächen vor Ort zeigte, dass insbesondere die thematische Bandbreite und der Austausch zwischen unterschiedlichen Perspektiven geschätzt wurden. Die schriftlichen Rückmeldungen der Teilnehmenden werden zusätzlich ausgewertet.
Denn die Fragen rund um Windenergie werden nicht weniger komplex. Umso wichtiger sind Orte, an denen Planung, Recht, Finanzierung, Technologie, Infrastruktur und regionale Wertschöpfung nicht getrennt voneinander betrachtet werden. Die windWERT bringt diese Perspektiven zusammen.
Und nach der windWERT ist vor der windWERT.